Nein, auch der brasilianische Wetterbericht hilft nichts –
es ist und bleibt Hochsommer hier in Maringà! Nach einigen Tagen dampfender
Füsse und hochrotem Kopf habe ich mich aber doch etwas an die
Umgebungstemperatur gewöhnen können, einziges Problem ist nun, dass ich
tatsächlich morgen schon wieder zurück in den Winter fliege.
Ich ziehe schon heute Bilanz meines Abenteuers, da ich vor
dem morgigen Abflug wohl weder Zeit noch die Nerven habe einen Text zu
schreiben.
Vor der Abreise bescherten mir insbesondere die Temperatur
und meine fehlenden Sprachkenntnisse ein leicht flaues Gefühl im Magen. Die Schilderungen
im Internet über brasilianische Räubergeschichten oder die hiesigen Hygieneverhältnisse
haben natürlich auch nicht zu meiner Beruhigung beigetragen.
Nun könnte ich heute schon grosse Elefantentränen weinen,
weil ich bereits wieder gehen muss. Nicht weil ich keine Lust hätte in den
Winter zurückzukehren oder meine Familie wiederzusehen, sondern weil sämtliche
Brasilianer und Brasilianerinnen, die ich kennen lernen durfte während dieser Woche,
unendlich herzlich, fröhlich und hilfsbereit waren. Mein Bruder hat jeden Abend
bei sich im Garten ein Churrasco (Grillfest) organisiert, damit ich möglichst
alle seiner engsten Freunde treffe, und das sind nicht wenige. Einzige
Churrasco-Ausnahme war der Montagabend, da habe ich ihm und seiner Familie „Hörnli
und Ghackets“ gekocht, selbstverständlich mit Schweizer Bio-Hörnli und echtem
Appenzeller-Käse.
Aber weg vom Käse, zurück zu den Menschen von hier: Samt und sonders würde ich
auf der Stelle das Umfeld meines Bruders adoptieren! Sie alle haben mich mit offenen Armen
empfangen, und zu sehen, wie sehr sie meinen Bruder lieben hat mir zutiefst
Eindruck gemacht und tut meiner Seele unendlich gut. Nachdem ich mir nun gefühlte
137 Jahre Sorgen gemacht habe, ob er sich wohl fühlt im weit entfernten heissen
Land, ohne seine Kollegen aus der Schweiz, ohne seine Familie, ohne den
gewohnten Lebensstandard, ohne die gut schweizerischen Sicherheiten, die wir so
hoch halten und die uns gleichzeitig strangulieren, kann ich mit gutem Gewissen
sagen, dass er hier angekommen und verwurzelt ist. Ich werde mir nun keine
Sorgen mehr machen (ok, oder deutlich viel weniger) und sofort wieder mit der
Auffütterung meines Reise-Sparschweinchens beginnen, damit ich bald wieder
hierher kommen und ihn sehen kann.
Zu meinem Abschiedsschmerz kommt hinzu, dass meine Nichte
das süssteste Kind auf Erden ist, und das sage ich natürlich ganz objektiv! Zu wissen, dass sie bei meinem nächsten Besuch bereits sprechen und gehen
wird, und mich nicht mehr erkennt, tut weh. Zur Linderung zähle ich auf die moderne Technologie
und winde Skype ein Kränzchen. Es ermöglicht uns, wenigstens halb-live eine Beziehung
aufzubauen oder zu erhalten.
Achtung Bruder, ich komme wieder!!

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