Samstag, 11. Januar 2014

Südhalbkugel

Ich spüre gerade, wie die Wärme meine Hirnzellen lähmt, es schreibt sich viel umständlicher als zuhause, darum schon zum Voraus die Entschuldigung für einen nicht so flüssigen Text.

Nach einer ziemlich langen Reise haben mich gestern mein Bruder und ein brasilianischer Kollege am Flughafen in Londrina abgeholt. Nach gefühlten 378 Stunden Autofahrt (es waren nur 90 Minuten, für 100KM Autobahn, aber meistens im Stau) weiss ich nun auch, dass man in Brasilien besser nicht als Fussgänger oder Mopedfahrer unterwegs ist, wenn man das derzeitige Durchschnittsalter erreichen möchte. Als nicht-Brasilianer ist es wohl auch eher heikel, selber zu fahren;-) gemäss Marcelo (dem Kollegen meines Bruders) absolvieren die Brasilianer ihre Fahrprüfung im Internet, und ungefähr so hat es sich angefühlt. Egal, Hauptsache, das Auto war klimatisiert und die Schweizer Schokolade kam nicht als Schoggi-Fondue an. Auch der Käse hat die Reise überstanden, zwar etwas verschwitzt, aber immerhin ohne Zoll-Probleme.

Das Klima hier ist tatsächlich nicht so mein Ding, und da mir seit meiner Kindheit die innere Kühlmechanik fehlt, leide ich hier ziemlich an der Hitze. Und das, obwohl es anscheinend gar nicht sooo heiss und auch nicht feucht ist. Naja, ich komme eben aus dem Winter (der in der Schweiz bisher auch eher Frühling war) und brauche wohl ein paar Tage (bis Jahre), um mich zu akklimatisieren (mich azzuklimatisieren?). Die Umgebung und die Stadt Maringà hingegen haben mich sehr positiv überrascht: Unglaublich grüne Stadt (also nicht im Sinne von ökologisch) mit ziemlich viel Platz und äusserst freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Ich fühle mich bis jetzt sehr wohl hier und überlege mir sogar, im Garten meines Bruders zu campieren, statt hier im Hotel zu wohnen. Das würde mir erstens die Pendlerei zwischen dem Zentrum und seinem Quartier ersparen, zweitens hätte ich mehr von ihm und seiner Familie und drittens gibt es in dieser Stadt keine mühsamen Viecher, die einem in der Nacht in die Nase oder sonst wohin kriechen und fiese Sticheleien hinterlassen. Einziger (und grosser) Nachteil ist, dass er (und das Zelt) keine Klimaanlage hat. Für einen  Menschen, der nicht schwitzen kann, ist das eine ziemliche Herausforderung, da die Temperatur auch nachts nicht unter 29 Grad fällt.

Heute Nachmittag stürze ich mich in den Kampf mit den Bancomaten, danach steht eine Einkaufstour für das (NICHT-vegetarische) Churrasco von heute Abend auf dem Programm. Mein Bruder hat 13 Personen (alles Einwohner aus Maringà) eingeladen, ich bin gespannt auf die Unterhaltungen, die sich ergeben. Mein nicht-vorhandenes Portugiesisch hat gestern Abend schon den Taxi-Fahrer leicht verwirrt, aber mit Händen und Füssen klappt das immer irgendwie. Ein paar wenige sprechen Englisch… ich lasse mich einfach überraschen.

Zum Glück habe ich letzte Woche bereits mit dem Karnivoren-Programm begonnen (hat nichts mit dem Karneval von Rio zu tun!), als meistens-Vegi müsste ich hier ziemlich unten durch, da der Hauptbestandteil einer Mahlzeit Fleisch ist, und zwar viiiiiel Fleisch. Einen Vorgeschmack habe ich gestern Abend bereits bekommen, Marlene (die Freundin meines Bruders) hat für mich gekocht und die Fleischmenge (gemäss ihr) europäischen Verhältnissen angepasst. Ich weiss nicht, was sie sich darunter vorstellt, aber ich fürchte mich nun doch etwas vor dem heutigen Churrasco, das dann wieder den brasilianischen Verhältnissen entsprechen wird.

Sollte mein Verdauungsapparat mit den hiesigen Fleischbergen zurechtkommen, melde ich mich auf diesem Weg sicherlich noch einmal, bevor ich wieder zurück in Richtung Winter (hoffentlich nicht immer noch Frühling) fliege.

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