Sonntag, 5. Januar 2014

Wissen



Einem geflügelten Wort zufolge ist Wissen ja bekanntlich Macht. Zu einem grossen Teil stimmt das selbstverständlich: Mit Wissen kann besser argumentiert und so zum Beispiel ein Entscheid beeinflusst werden. Manchmal möchte ich aber einfach auch nur etwas wissen, weil es mich interessiert.

Am liebsten hätte ich genügend Zeit, Geld und Geduld, um einfach alles zu wissen, das mich interessiert. Und da das fast alles auf dieser Kugel betrifft, bräuchte ich natürlich auch eine grössere Festplatte im Hirn.

Ich möchte das Wissen eines Astrophysikers haben, dasjenige eines Medizinmanns, ich möchte wissen, wie man kranke Pflanzen wieder gesund macht, wie man ein Fahrrad zusammenbaut, wie man ein Haus baut, wie Sprache und die verschiedenen Dialekte entstanden sind. Ich möchte wissen, warum Menschen in gewissen Situationen auf eine bestimmte Art und Weise handeln, warum wir aus Fehlern manchmal lernen und ebenso oft auch nicht, warum Tiere einen siebten Sinn haben, wie man erfolgreich Rüebli anbaut oder Äpfel so kreuzt, dass eine neue Sorte in der angestrebten Geschmacksrichtung entsteht.

Es wäre doch auch interessant zu wissen, wer darüber bestimmt, welche Artikel in einer Zeitung erscheinen, welche Informationen zu News aufbereitet werden (da fragt man sich ja nicht ganz selten, weshalb es eine Nachricht wohl in die Tagesschau geschafft hat, obwohl sie völlig irrelevant ist), ob diese Entscheide wirklich objektiv sind? Und wer weiss eigentlich wirklich, wie das war mit dem Huhn und dem Ei? Oder was wirklich in einer Nespresso-Kapsel enthalten ist? Gut, gewisse Dinge weiss man besser nicht, wenn man weiterhin gut schlafen oder eben eine Tasse Kaffee geniessen möchte. Wer von uns hat sich nicht schon einmal gefragt, ob überhaupt noch irgendwer den Durchblick im Elektronik-, Daten- oder Internet-Dschungel hat? Hoffen wir einfach, dass wir immer nur an der Oberfläche kratzen, so entsteht am wenigstens Schaden, den dann niemand mehr zu reparieren imstande ist.

Es wäre doch einfach schön, wenn man sich unendlich Dinge aneignen könnte, heute Maurer, morgen Pfarrer, übermorgen Gärtner und am Donnerstag Fischer, wenn man eine Erklärung (und zwar eine richtige) zu den Fragen dieser Welt hätte. Während ich mir hier überlege, wie schön es wäre, noch viel viel mehr zu wissen als gerade zur Zeit, gibt es trotzdem Grenzen für meinen Wissensdurst. Ich möchte zum Beispiel auf gar keinen Fall wissen, wie Zauberei funktioniert. Ich möchte immer wieder Staunen können, und versuchen herauszufinden, wie das Unmögliche möglich wurde… ich möchte auch ganz naiv eine Sternschnuppe beobachten und mir dabei etwas wünschen, ohne sie gleich wissenschaftlich einzuordnen und im schlimmsten Fall auch gleich noch meinem Umfeld zu erklären.

Aber am allerliebsten möchte ich heute hier und jetzt gerade am dringendsten etwas ganz Banales wissen: Trifft mein neuer Pass noch ein bevor ich am Donnerstag meine kalten Füsse gegen die Schweissperlen eintausche? Mein Verlangen nach Wissen wird also sehr deutlich von alltäglichen, einfachen Fragen gesteuert, und das ist auch gut so.

Bis bald, dann ziemlich sicher aus sommerlichen Gefilden!!

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